Für die einen ist das sanfte Gurren einer Taube der Inbegriff ländlicher Idylle und Sommerstimmung. Für die anderen sind sie schlicht „Ratten der Lüfte“, die Terrasse und Gartenmöbel verschmutzen. Doch ist die Panik vor Tauben im Garten berechtigt? Sind sie Schädlinge, die bekämpft werden müssen, oder ein wertvoller Teil des Ökosystems?
Die Antwort lautet wie so oft im Garten: Es kommt darauf an – nämlich darauf, wer genau da auf Ihrem Kirschbaum sitzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Unterscheidung ist wichtig: Es gibt einen großen Unterschied zwischen heimischen Wildtauben (Ringel- oder Türkentaube) und verwilderten Haustauben (Stadttauben).
- Schäden: Tauben sind keine Insektenvertilger, sondern Vegetarier. Sie können frisch gesäten Rasen, Erbsenbeete oder Keimlinge fressen.
- Hygiene: Der Kot ist das Hauptproblem. Er ist ätzend für Steinböden und enthält potenziell Krankheitserreger (wobei die Ansteckungsgefahr im Freien gering ist).
- Verdrängung: Große Tauben am Futterhaus vertreiben oft kleinere Singvögel wie Meisen oder Rotkehlchen.
Wer gurrt denn da? Die Arten-Bestimmung
Bevor Sie sich ärgern, schauen Sie genau hin. Im Garten begegnen uns meist drei Arten:
- Die Ringeltaube: Unsere größte heimische Taube. Erkennbar am weißen Fleck am Hals und dem etwas plumpen Flug. Sie tritt meist paarweise auf, ist scheu und ein reines Wildtier.
- Die Türkentaube: Zierlich, hellbeige mit einem schwarzen Nackenring. Sie ist sehr standorttreu und lebt oft jahrelang als Pärchen im selben Garten.
- Die Stadttaube: Die „Problemmacherin“. Sie stammt von entflogenen Haustauben ab, tritt in Schwärmen auf und ist stark auf den Menschen geprägt. Wenn Sie in der Stadt wohnen, ist dies der häufigste, aber im Garten unbeliebteste Gast.
Das Negative: Was gegen Tauben spricht
1. Kot und Hygiene
Das offensichtlichste Problem. Taubenkot ist aggressiv (harnsäurehaltig) und kann Natursteinplatten, Markisen und Autolacke verätzen. Zudem können Tauben Parasiten (Taubenzecken) oder Krankheiten (Salmonellen) übertragen. Zwar ist das Risiko einer Ansteckung im Garten an der frischen Luft geringer als auf einem engen Dachboden, aber Sandkästen sollten bei Taubenbefall immer abgedeckt werden.
2. Fraßschäden im Nutzgarten
Im Gegensatz zu Meisen, die Blattläuse fressen, oder Amseln, die nach Schneckeneiern suchen, sind Tauben reine Vegetarier (Körner- und Grünfresser).
- Gefahr für die Aussaat: Frisch gesäte Rasensamen oder Gemüsesaaten werden systematisch aufgepickt.
- Junge Pflanzen: Tauben lieben junge Erbsenpflanzen, Kohlkeimlinge und zarte Salatblätter. Sie „weiden“ diese oft komplett ab.
3. Dominanz am Futterhaus
Wer Vögel füttert, merkt schnell: Wenn eine Ringeltaube auf dem Futtertisch landet, ist die Party für alle anderen vorbei. Sie fressen enorme Mengen in kurzer Zeit und blockieren den Zugang für kleinere Vögel.
Das Positive: Warum wir gelassen bleiben sollten
1. Teil der Biodiversität
Wildtauben (Ringel- und Türkentauben) gehören zur natürlichen heimischen Fauna. Sie sind faszinierende Vögel mit einem komplexen Sozialverhalten. Ein Pärchen Türkentauben, das sich gegenseitig das Gefieder krault, ist schön zu beobachten.
2. Unkrautvernichter
Da Tauben am Boden nach Sämereien suchen, vertilgen sie auch Unmengen an Unkrautsamen, bevor diese keimen können.
3. Dünger (in Maßen)
Taubenkot ist extrem stickstoffreich (Guano). Was auf der Terrasse stört, ist im Beet – in geringen Mengen und untergegraben – ein potenter Dünger.
Die Strategie: Koexistenz statt Krieg
Einen einzelnen Taubenbesuch können Sie kaum verhindern, aber Sie können Schäden minimieren.
- Beete schützen: Legen Sie Vlies oder engmaschige Netze über frische Aussaaten. Besonders Erbsen und Kohl sollten in der Jugendphase abgedeckt sein.
- Selektive Fütterung: Nutzen Sie Futtersilos mit kleinen Anflugstangen oder Schutzkäfigen. So kommen Meisen und Spatzen ans Futter, die großen, schweren Tauben aber nicht. Vermeiden Sie offene Futtertische.
- Vergrämung: Hängen Sie glitzernde CDs, Windspiele oder Flatterbänder auf. Tauben sind schreckhaft. Statische Attrappen (Plastikrabene) wirken meist nur wenige Tage, da die Tauben intelligent sind und den Trick durchschauen.
- Kein Futterangebot schaffen: Lassen Sie kein Katzenfutter oder Essensreste draußen stehen. Das lockt nicht nur Tauben, sondern auch Ratten an.
Fazit
Tauben im Garten sind per se nicht „schlecht“. Ein Pärchen Ringeltauben, das im hohen Baum nistet, stört kaum und gehört zur Natur dazu. Kritisch wird es erst, wenn Stadttaubenschwärme den Garten als Futterplatz entdecken und alles verkoten. Die goldene Regel für Gärtner: Schützen Sie Ihre Saat, decken Sie den Sandkasten ab, aber genießen Sie ansonsten das Gurren als Soundtrack des Sommers.
