Ein Rattenbau im Garten oder am Haus ist nicht nur eklig, sondern in vielen Bundesländern auch meldepflichtig. Wer einfach drauflos buddelt oder Gift verteilt, riskiert Bußgelder und gefährdet Haustiere oder Wildtiere. Wir erklären, wie ein Rattenbau aussieht, welche Methoden zur Beseitigung erlaubt sind und was du auf keinen Fall tun solltest.
- Rattenbefall in vielen Bundesländern meldepflichtig beim Gesundheitsamt
- Bau erkennen an: Erdaufwürfen, mehreren Eingängen, Trampelpfaden und fettigen Schmierspuren
- Bekämpfung mit professionellen Schlagfallen oder durch Schädlingsbekämpfer
- Selbstverwendung von Rattengift seit 2013 stark eingeschränkt
- Bei Massenbefall oder Befall am Haus immer den Profi rufen
So erkennst du einen Rattenbau
Ratten leben in Bauten unter der Erde, in Hohlräumen oder in Gebäuden. Typische Anzeichen:
- Erdlöcher mit 5 bis 10 cm Durchmesser: Meist mehrere im Umfeld, oft an geschützten Stellen unter Holzstapeln, Komposthaufen, Sträuchern oder Mauerfundamenten
- Trampelpfade: Fest getretene Wege im Gras oder im Erdboden zwischen den Eingängen
- Schmierspuren: Dunkle, fettige Streifen an Wänden und Mauern, weil Ratten an gleichen Stellen entlang laufen
- Kotspuren: Längliche, dunkle Köttel von 1 bis 2 cm Länge
- Knaberspuren: An Holz, Kunststoff, Kabeln und sogar Beton finden sich grobe Bissstellen
- Lärm: Quieken, Trippeln und Kratzgeräusche, oft auch tagsüber
Im Unterschied zu Mäusen haben Ratten deutlich größere Spuren und legen oft komplexe Bauten mit mehreren Kammern und Gängen an. Ein einzelnes Erdloch ist meist kein Problem, mehrere zusammen schon.
Rechtliche Lage in Deutschland
Ratten gelten als Gesundheitsschädlinge und übertragen Krankheiten wie Leptospirose, Hantavirus und Salmonellen. Deshalb sind sie in vielen Bundesländern meldepflichtig.
Wichtige Punkte:
- Befall am Haus muss in den meisten Bundesländern dem Gesundheitsamt gemeldet werden
- Mieter müssen den Vermieter informieren, der zur Bekämpfung verpflichtet ist
- Vermieter müssen einen Schädlingsbekämpfer beauftragen, nicht selbst tätig werden
- In Gewerbebetrieben besteht oft Bekämpfungspflicht
Wer den Befall verschweigt oder selbst mit unzulässigen Mitteln bekämpft, riskiert Bußgelder. In der Lebensmittelproduktion und Gastronomie sind die Strafen besonders hoch.
Was du selbst tun darfst
Schlagfallen
Spezielle Rattenfallen mit starker Federkraft sind im Privatbereich erlaubt. Sie töten das Tier sofort, was als humane Lösung gilt. Wichtig: Robuste, professionelle Modelle verwenden, keine Mäusefallen umfunktionieren.
Die Fallen werden in den Eingangsbereich des Baus oder entlang der Trampelpfade gestellt, mit Köder wie Erdnussbutter oder Speck. Mehrere Fallen gleichzeitig erhöhen die Erfolgsquote.
Lebendfallen
Funktionieren bei Ratten weniger zuverlässig als bei Mäusen, weil Ratten misstrauisch sind. Wenn sie funktionieren, muss das Tier sehr weit entfernt vom Haus freigelassen werden, was rechtlich umstritten ist.
Bau verschließen
Wenn keine Ratten mehr im Bau sind, kann der Eingang verschlossen werden. Mit Beton, Steinen oder feinem Stahlgitter, das Ratten nicht durchbeißen können. Kontrollieren über mehrere Tage, ob neue Spuren auftreten.
Vorsicht: Den Bau zu verschließen, solange noch Ratten drin sind, führt nur dazu, dass sie sich neue Ausgänge graben. Erst sicherstellen, dass der Bau leer ist.
Was du nicht selbst machen darfst
- Rattengift kaufen und ausstreuen. Seit 2013 sind die meisten Rodentizide für Privatpersonen verboten oder stark eingeschränkt
- Bau ausräuchern oder abflammen. Brandgefahr und Tierquälerei
- Klebefallen verwenden. Tierschutzrechtlich problematisch und in einigen Regionen verboten
- Wasser in den Bau füllen. Ineffektiv, weil Ratten andere Ausgänge haben, und ethisch fragwürdig
- Bau ausgraben mit Spaten. Verstoß gegen Tierschutz, außerdem werden die Ratten in alle Richtungen flüchten

Wann musst du den Schädlingsbekämpfer rufen?
In den meisten Fällen ist das die richtige Lösung. Profis haben Zugang zu professionellen Rodentiziden, die für Privatpersonen verboten sind, und kennen die rechtlichen Vorschriften.
Spätestens bei diesen Situationen unbedingt einen Profi:
- Mehr als 5 sichtbare Ratten oder mehrere Bauten
- Befall im Haus oder in der Wohnung
- Ratten in der Nähe von Lebensmitteln
- Bei Mietverhältnissen ist es Aufgabe des Vermieters
- Bei Gewerbebetrieben (gesetzlich oft vorgeschrieben)
Kosten: 100 bis 400 Euro für eine einmalige Behandlung, bei Massenbefall mehr. Mehrere Termine über Wochen sind oft nötig, weil Ratten Köderscheue zeigen.
Vorbeugen
Wenn der Bau einmal beseitigt ist, hilft konsequente Vorbeugung gegen erneuten Befall.
- Komposthaufen sicher gestalten, keine offenen Lebensmittelreste
- Mülltonnen geschlossen halten, regelmäßig reinigen
- Tierfutter im Garten nur kontrolliert füttern, Reste entfernen
- Vogelfutter in geschlossenen Stationen anbieten
- Hohlräume in Mauern und Anbauten verschließen
- Holzstapel und Gerümpel reduzieren – beliebte Verstecke
- Hecken und Sträucher dicht am Haus zurückschneiden
Wer einmal Ratten hatte, sollte regelmäßig auf neue Spuren achten. Die Tiere kehren oft an gleichen Stellen zurück, weil Geruchsspuren und Bauten lange erkennbar bleiben.
Hygiene nach dem Befall
Nach erfolgreicher Bekämpfung muss gründlich gereinigt werden, weil Ratten Krankheiten übertragen.
- Atemschutzmaske und Handschuhe tragen
- Kotspuren mit feuchtem Tuch entfernen, nicht trocken kehren
- Mit Desinfektionsmittel nachreinigen
- Befallene Lebensmittel und Verpackungen entsorgen
- Befallene Textilien bei mindestens 60 Grad waschen
- Kontaminierte Materialien wie Dämmwolle ggf. ersetzen
Beim Rückbau eines Rattenbaus die toten Tiere oder Reste in geschlossenen Müllbeuteln entsorgen, nicht in offenen Komposthaufen.
Fazit
Einen Rattenbau zu zerstören ist mehr als nur eine handwerkliche Aufgabe. Rechtliche Vorgaben, Tierschutz und Eigenschutz spielen eine wichtige Rolle. Bei kleinem Befall im Garten kannst du mit professionellen Schlagfallen selbst handeln, bei größeren Mengen oder Befall am Haus solltest du einen Schädlingsbekämpfer rufen. Niemals unbedacht Gift einsetzen, weil dies seit 2013 stark reglementiert ist und Folgeprobleme schafft. Mit konsequenter Vorbeugung lässt sich Rattenbefall meist sicher vermeiden.
Häufige Fragen
Ist ein Rattenbau meldepflichtig?
In den meisten Bundesländern ja, bei Befall am Haus oder in Gewerbebetrieben. Das Gesundheitsamt informiert über die genauen Regelungen vor Ort.
Darf ich Rattengift selbst kaufen?
Stark eingeschränkt. Seit 2013 sind die meisten Rodentizide nur noch für sachkundige Anwender wie Schädlingsbekämpfer erlaubt. Für Privatpersonen gibt es einzelne Mittel, deren Anwendung aber genau geregelt ist.
Wie tief geht ein Rattenbau?
Üblicherweise bis 50 cm tief, in Ausnahmefällen bis 1 Meter. Die Bauten haben oft mehrere Kammern und immer mindestens zwei Ausgänge zum Schutz vor Feinden.
Was kostet eine Rattenbekämpfung?
100 bis 400 Euro für eine einmalige Behandlung, bei Massenbefall oder mehreren Terminen 500 Euro und mehr. Bei gewerblichen Befällen oft Pauschalpreise.
Wie unterscheide ich Maus- und Rattenkot?
Mäusekot ist 3 bis 8 mm lang, spitz zulaufend. Rattenkot ist 1 bis 2 cm lang, dicker und stumpfer geformt. Bei Unsicherheit ein Foto an die Schädlingsberatung schicken.
