Wer morgens Löcher im gepflegten Rasen oder aufgewühlte Beete vorfindet, hat oft schnell einen Verdacht: Wühlmäuse oder Maulwürfe. Doch wenn die Spuren nicht so recht passen, kommt ein anderer Kulturfolger ins Spiel: der Steinmarder. Obwohl er als klassischer „Autoschreck“ und Dachbodenbewohner bekannt ist, nutzt er den Garten intensiv als Revier.
Doch gräbt der Marder wirklich Löcher? Und wie unterscheiden sie sich von den Tunneln einer Ratte? Wir klären auf, wie Sie die Spuren des nächtlichen Räubers richtig lesen.
Das Wichtigste in Kürze
- Keine Wohnhöhlen: Steinmarder graben in der Regel keine tiefen Baue, um darin zu wohnen (anders als Füchse oder Kaninchen).
- Vorratshaltung: Löcher entstehen meist, wenn der Marder Nahrung (Eier, Beutetiere, Obst) vergräbt oder wieder ausbuddelt.
- Scharrspuren: Flache Kuhlen dienen oft als „Toilette“ oder zur Markierung des Reviers mittels Duftdrüsen.
- Verwechslungsgefahr: Runde, tiefe Löcher ohne Aushub deuten eher auf Ratten hin; Erdhaufen auf Wühlmäuse oder Maulwürfe.
Der Marder als Erdarbeiter: Warum er gräbt
Der Steinmarder (Martes foina) ist kein klassisches grabendes Tier. Er ist ein Kletterer und Schlüpfer. Wenn Sie Löcher finden, die dem Marder zuzuordnen sind, haben diese meist zwei Gründe:
1. Die Speisekammer (Bunkern)
Marder legen Vorräte an. Wenn sie ein Hühnerei stehlen, Fallobst finden oder Beute machen, die sie nicht sofort fressen können, verscharren sie diese oft im lockeren Erdreich von Beeten oder unter Büschen. Diese Löcher sind oft trichterförmig, eher unordentlich und nicht sehr tief (10–20 cm). Oft findet man in der Nähe Reste der Beute (Eierschalen, Federn).
2. Das Revierverhalten (Scharren)
Marder markieren ihr Revier nicht nur mit Urin, sondern auch mit Sekreten aus Drüsen an den Pfoten. Durch das „Scharren“ auf dem Boden (ähnlich wie Hunde nach dem Geschäft) verteilen sie ihren Duft. Diese Spuren sehen weniger aus wie Löcher, sondern eher wie abgekratzte Grasnarben oder aufgewühlte Mulchflächen.
3. Untergraben von Hindernissen
Wenn der Marder in einen Hühnerstall oder Schuppen will, versucht er oft, sich unter dem Zaun hindurchzudrücken. Diese Löcher finden sich immer direkt an Barrieren (Zäunen, Mauern) und sind oft länglich-oval, genau passend für seinen schlanken Körper.
Marder, Ratte oder Fuchs? Der Vergleich
Die Identifizierung ist entscheidend für die Gegenmaßnahmen.
- Der Marder: Loch ist unregelmäßig, trichterförmig, oft Aushub (Erde) davor sichtbar. In der Nähe findet sich oft die typische „Losung“ (Kot): Würstchenförmig, ca. 8–10 cm lang, gedreht, mit einer spitzen Endung. Enthält oft Kirschkerne oder Federn.
- Die Wanderratte: Die Löcher sind kreisrund, ca. 6–8 cm Durchmesser, führen steil und tief in den Boden. Die Ränder sind oft glattgetreten („geschmiert“), da die Ratte oft rein und raus läuft.
- Das Kaninchen: Große Löcher, oft in Gruppen, viel Aushub.
- Der Igel: Gräbt selten tief, hinterlässt aber „Schnauzenlöcher“ (kleine Trichter), wenn er nach Würmern und Engerlingen sucht.
Profi-Tipp: Um sicherzugehen, harken Sie die Erde um das Loch glatt und streuen Sie etwas Mehl oder Sand aus. Am nächsten Morgen prüfen Sie die Pfotenabdrücke. Der Marder hat fünf Zehen mit deutlich sichtbaren Nägeln. Katzen zeigen im Abdruck meist nur vier Zehen (ohne Krallen).
Was tun gegen Marderlöcher?
Da der Steinmarder dem Jagdrecht unterliegt, darf er von Privatpersonen nicht gejagt, gefangen oder getötet werden (außer mit speziellen Genehmigungen für Jäger). Die Strategie lautet daher: Vergrämung. Sie müssen es dem Tier ungemütlich machen.
1. Nahrungsquellen entziehen
Wenn der Marder Ihren Garten als Vorratskammer nutzt, findet er dort zu viel Futter.
- Kein Katzenfutter draußen stehen lassen.
- Mülltonnen (gelber Sack) fest verschließen.
- Fallobst regelmäßig aufsammeln.
- Komposthaufen abdecken (keine gekochten Essensreste oder Fleisch darauf werfen!).
2. Barrieren schaffen
Marder hassen Hindernisse, die sie nicht durchbeißen können. Umgraben unter Zäunen verhindern Sie am besten, indem Sie feuerverzinkten Volierendraht (Punktgeschweißtes Gitter) L-förmig am Zaunfuß eingraben oder Gehwegplatten senkrecht in den Boden lassen. Maschendrahtzaun beißt ein Marder notfalls durch.
3. Aktive Vergrämung
Marder sind gewohnheitsliebend. Stören Sie ihn:
- Wasser: Bewegungsmelder, die einen Wasserstrahl auslösen („Reiherschreck“), sind sehr effektiv.
- Geruch: Marder haben feine Nasen. Hundehaare, WC-Steine oder spezielle Vergrämungs-Sprays („Marder-Ex“) können helfen, müssen aber nach jedem Regen erneuert werden. Der Gewöhnungseffekt tritt hier leider schnell ein.
- Ultraschall: Geräte mit wechselnden Frequenzen können helfen, sollten aber hochwertig sein, um nicht auch Haustiere zu stören.
Fazit
Ein einzelnes Loch im Garten ist noch kein Grund zur Panik. Oft war der Marder nur auf der Durchreise und hat einen Snack versteckt. Finden Sie jedoch regelrechte Latrinen (Kot-Ansammlungen) oder versucht das Tier, in Gebäude einzudringen, sollten Sie mit Vergrämungsmaßnahmen gegensteuern. Das Zuschütten der Löcher bringt meist wenig – der Marder gräbt sie in der nächsten Nacht aus Protest oft wieder auf. Legen Sie lieber ein „Vergrämungsmittel“ (z. B. einen Lappen mit Essig oder Parfüm) in das Loch, bevor Sie es verschließen.
