Malervlies ist die unkomplizierte Lösung, wenn deine Wände nicht perfekt sind oder ein anderer Untergrund unter der späteren Wandfarbe verschwinden soll. Es überdeckt feine Risse, gleicht kleine Unebenheiten aus und bringt Struktur dahin, wo sonst nur kahles Mauerwerk wäre. Wer ein paar Grundregeln beachtet, bekommt auch ohne Profi-Erfahrung ein sauberes Ergebnis. Wir gehen Schritt für Schritt durch, wie du Malervlies tapezierst und wo die typischen Stolperfallen liegen.
- Malervlies wird im Wand-an-Wand-Verfahren verarbeitet, der Kleister kommt direkt auf die Wand
- Untergrund muss tragfähig, sauber und trocken sein – Risse vorher spachteln
- Spezialkleister für Vlies verwenden, normaler Tapetenkleister ist zu schwach
- Bahnen stoßweise verlegen ohne Überlappung, mit Tapezierwalze andrücken
- Nach dem Trocknen mit Dispersions- oder Latexfarbe überstreichen
Was ist Malervlies?
Malervlies ist eine glattfaserige, leicht strukturierte Wandbeschichtung aus Polyestervlies. Sie wird wie eine Tapete aufgebracht, dient aber nicht der Dekoration, sondern als Untergrund für die spätere Farbgebung. Im Unterschied zur Raufaser hat Vlies eine gleichmäßige, geschlossene Oberfläche.
Vorteile gegenüber Raufaser:
- Reißfest und maßstabil, dehnt sich beim Kleistern nicht aus
- Überdeckt Risse und kleine Unebenheiten besser
- Lässt sich später trocken in Bahnen abziehen, der Untergrund bleibt unbeschädigt
- Atmungsaktiv und feuchteregulierend
- Mehrfach überstreichbar, auch mit deckenden Farben
Vorteile gegenüber Glasfasergewebe:
- Weicher Griff, keine spröden Fasern
- Kein Hautschutz nötig beim Verarbeiten
- Günstiger im Materialpreis
Vorbereitung – das Fundament für ein sauberes Ergebnis
Wer hier schludert, sieht das später durch das Vlies hindurch. Ein paar Stunden Vorarbeit zahlen sich aus.
Untergrund prüfen: Die Wand muss tragfähig sein. Klopf einmal mit dem Knöchel, wenn es hohl klingt, ist der Putz lose und muss erneuert werden. Bröckelt etwas beim Drüberstreichen mit der Hand ab, schleifen und grundieren.
Alte Tapeten entfernen: Reste von alten Tapeten oder Anstrichen müssen weg. Wasser und Tapetenlöser oder ein Tapetenabreißer helfen. Bei flüssiger Rauhfaser braucht es spezielle Methoden.
Risse spachteln: Mit Acryl, Spachtelmasse oder Reparaturmörtel alle sichtbaren Risse füllen. Nach dem Trocknen glatt schleifen.
Wand grundieren: Eine Tiefengrundierung oder ein verdünnter Vorstrich saugt den Untergrund ab und gibt dem späteren Kleister Halt. Bei stark saugenden oder kalkhaltigen Wänden Pflicht. Auf Gipsplatten reicht meist Tiefengrund.
Wand vermessen: Höhe abmessen und Bahnen entsprechend zuschneiden, mit etwa 5 Zentimeter Zugabe oben und unten. Wer mehrere Bahnen braucht, schneidet sie gleich alle zu, damit beim Tapezieren nichts unterbrochen werden muss.
Material und Werkzeug
Für ein normales Wohnzimmer mit etwa 30 Quadratmetern Wandfläche brauchst du:
- Etwa 2 bis 3 Rollen Malervlies, je nach Bahnenbreite
- Speziellen Vlieskleister, etwa 1 bis 1,5 Kilogramm Pulver
- Tapezierbürste oder Andrückrolle
- Cuttermesser mit Abbrechklinge
- Tapezierschere
- Glättkelle zum Andrücken an Stößen
- Schwammtuch und Eimer Wasser
- Bleilot oder Wasserwaage
- Bleistift
- Leiter
Praktisch zusätzlich: Ein Tapeziertisch macht das Zuschneiden deutlich einfacher.
Schritt 1: Kleister anrühren
Vlieskleister ist meist als Pulver erhältlich und wird in kaltem Wasser angerührt. Pro Liter Wasser etwa 100 bis 150 Gramm Pulver einrühren, langsam und unter ständigem Rühren, damit keine Klumpen entstehen.
Den Kleister mindestens 15 Minuten quellen lassen. Erst dann ist er voll bindefähig. Manchmal nach dem Quellen noch einmal kurz aufrühren. Die Konsistenz sollte wie zähflüssiger Pudding sein, nicht zu dick und nicht zu dünn.
Schritt 2: Erste Bahn aufkleben
Anders als bei Papiertapete wird der Kleister beim Vlies direkt auf die Wand aufgetragen, nicht auf die Bahn. Diese Methode nennt sich Wand-an-Wand-Verfahren.
Trage mit einer Walze oder breiten Bürste den Kleister großzügig auf die Wand auf, etwas breiter als die Tapetenbahn. Die Schicht sollte deckend sein, aber nicht tropfen.
Mit einem Bleilot oder einer Wasserwaage zeichnest du eine senkrechte Hilfslinie etwa 50 Zentimeter von der Ecke entfernt. An dieser Linie richtest du die erste Bahn aus. Die Ecke selbst ist meist nicht genau senkrecht, deshalb nicht direkt dort beginnen.
Setze die Bahn oben an, drücke sie an der Linie an und arbeite mit der Tapezierbürste oder der Glättkelle von der Mitte nach außen. So drückst du Luftblasen heraus und sorgst für vollen Kontakt mit dem Kleister.

Schritt 3: Weitere Bahnen ansetzen
Die nächste Bahn wird Kante an Kante an die erste gesetzt, ohne Überlappung. Das ist der Vorteil von Vlies: Es dehnt sich nicht aus und liegt sauber.
Trage wieder Kleister auf die Wand auf und setze die Bahn so an, dass die Kanten exakt aneinander stoßen. Mit der Glättkelle oder einer Tapeziernaht-Walze die Stoßstellen sanft andrücken. Hier liegt der häufigste Fehler – zu viel Druck quetscht den Kleister heraus, zu wenig hinterlässt offene Stöße.
Bei Mustertapeten oder strukturiertem Vlies muss auf das Muster geachtet werden. Bei einfachem Malervlies ist die Reihenfolge der Bahnen egal.
Schritt 4: Ecken und Kanten
Innenecken werden nicht in einem Stück durchgezogen. Schneide die Bahn so, dass sie etwa drei bis fünf Zentimeter um die Ecke geht. An der Wand der Folge-Bahn beginnst du wieder direkt an der Ecke und überdeckst den überstehenden Streifen der ersten Bahn.
Außenkanten wie Fensterleibungen oder Türrahmen werden ebenfalls überklebt und dann mit dem Cuttermesser entlang einer Stahlspatel-Kante sauber abgeschnitten.
Oben an der Decke und unten am Sockel die überstehende Bahn ebenfalls mit Cuttermesser und Spatel abschneiden. Kleinen Spalt am Sockel kannst du später mit Acryl füllen.
Schritt 5: Trocknen lassen
Bei normaler Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit braucht Malervlies etwa 24 bis 48 Stunden zum vollständigen Trocknen. In dieser Zeit das Zimmer nicht zu stark heizen oder lüften, weil sonst die Bahnen einseitig schneller trocknen und sich an Stößen öffnen können.
Erst wenn das Vlies komplett trocken ist, kann es überstrichen werden. Frühzeitiges Streichen führt zu Blasenbildung und ungleichmäßiger Farbaufnahme.
Schritt 6: Überstreichen
Malervlies wird mit Dispersionsfarbe oder Latexfarbe überstrichen. Erste Schicht meist als verdünnter Vorstrich, zweite und dritte Schicht deckend.
Mit Walze und kurzem Flor arbeiten, in gleichmäßigen Bahnen. Erste Schicht in Längsrichtung, zweite Schicht in Querrichtung – so vermeidest du Streifenbildung.
Dunklere Farben oder kräftige Töne brauchen oft drei Anstriche, weil die Pigmente sich nicht so schnell aufbauen. Lieber drei dünne als zwei dicke Schichten.
Häufige Fehler beim Malervlies-Tapezieren
Diese Fehler verraten dich später durch sichtbare Stellen.
- Untergrund nicht grundiert. Der Kleister zieht sofort in die Wand und das Vlies haftet ungleichmäßig.
- Zu wenig Kleister auf der Wand. Trockene Stellen zeigen sich später als Blasen.
- Bahnen überlappt statt gestoßen. Wirkt unsauber und fällt unter Streiflicht sofort auf.
- Beim Trocknen falsch geheizt. Schnelles Trocknen führt zu Spannungen und offenen Stößen.
- Zu früh überstrichen. Farbe greift den feuchten Kleister an, das Vlies löst sich.
- Schiefe erste Bahn. Wer ohne Lot beginnt, hat alle weiteren Bahnen schief und fällt es spätestens am Ende auf.
Wann lohnt sich Malervlies?
Malervlies ist die richtige Wahl, wenn du:
- Eine Wand mit kleinen Rissen oder leichten Unebenheiten hast
- Eine ungleichmäßige Oberfläche überdecken willst, ohne komplett zu spachteln
- Eine Wand schaffen willst, die mehrfach umgestrichen werden kann
- Eine flexible Lösung willst, die sich später sauber wieder entfernen lässt
- Schimmelflächen abdichten willst nach gründlicher Sanierung
Wer eine perfekt glatte Wand hat und nur einen Anstrich plant, kann auf Vlies verzichten. Auf glattem Putz reicht oft direkt eine Wandfarbe.
Fazit
Malervlies tapezieren ist eine der einfacheren Tapeziertechniken, weil das Material maßstabil ist und sich nicht ausdehnt. Wand-an-Wand-Verfahren mit Spezialkleister, sauber gestoßene Kanten und ausreichende Trocknungszeit sind die zentralen Punkte. Wer den Untergrund ordentlich vorbereitet, Risse spachtelt und die erste Bahn nach Lot ausrichtet, bekommt ein sauberes Ergebnis. Mit Dispersionsfarbe überstrichen ergibt das eine pflegeleichte und langlebige Wandgestaltung, die sich auch in Mietwohnungen problemlos rückbauen lässt.
Häufige Fragen
Brauche ich speziellen Kleister für Malervlies?
Ja. Vlieskleister ist anders zusammengesetzt als normaler Tapetenkleister und auf das Wand-an-Wand-Verfahren ausgelegt. Mit normalem Kleister hält das Vlies oft nicht ausreichend.
Kann ich Malervlies auf Raufaser kleben?
Grundsätzlich ja, aber nur wenn die Raufaser fest haftet und keine groben Strukturen hat. Bei stark strukturierter Raufaser drückt sich das Muster durch das Vlies durch. Im Zweifel die Raufaser vorher entfernen.
Wie viel Kleister brauche ich pro Quadratmeter?
Etwa 200 bis 300 Milliliter angerührter Kleister pro Quadratmeter Wandfläche. Bei sehr saugenden Untergründen mehr einplanen, bei glatten Flächen weniger.
Kann ich Malervlies in der Küche oder im Bad verwenden?
In der Küche ist es bedingt geeignet, in feuchten Bereichen wie Dusche oder direkt am Waschbecken nicht. Für feuchteexponierte Wände gibt es spezielle Glasfasergewebe, die feuchtebeständiger sind.
Wie lange hält Malervlies?
Bei guter Verarbeitung und passender Pflege 15 bis 25 Jahre. Es kann mehrfach überstrichen werden, was die Lebensdauer praktisch verlängert. Nach dem Entfernen sind keine Rückstände auf dem Untergrund.
