In vielen ländlichen Regionen Deutschlands gibt es keinen Anschluss an das öffentliche Erdgasnetz. Wer hier ein Haus baut oder ein bestehendes Gebäude saniert, muss sich eine andere Energiequelle suchen. Flüssiggas hat sich in solchen Fällen als praxistaugliche Lösung erwiesen. Es lässt sich in einem Tank auf dem eigenen Grundstück lagern und über eine Leitung direkt zum Heizkessel führen.
Technisches zur Flüssiggasanlage
Ein Flüssiggasheizsystem besteht aus drei Elementen: dem Tank, der Leitung zum Gebäude und dem Heizkessel. Tanks können oberirdisch sichtbar aufgestellt oder unterirdisch versenkt werden, je nach Platzangebot und kommunalen Vorschriften aus dem jeweiligen Bebauungsplan. Übliche Tankgrößen liegen zwischen 2.700 und 6.400 Litern. Tankgröße und Wärmespeicherbedarf des Gebäudes bestimmen die Befüllintervalle.
Der große Vorteil dieser Technik liegt in der Flexibilität. Bestehende Anlagen lassen sich auch ohne technische Umrüstung mit regenerativem Flüssiggas betreiben, das ganz oder teilweise aus biogenen Reststoffen hergestellt wird. Bauherren, die heute ein konventionelles System installieren, schließen damit künftige Optionen nicht aus.
Normen, Vorschriften und Prüfpflichten
Für Installation und Betrieb von Flüssiggasanlagen gelten folgende technische Regeln: Die Technischen Regeln Flüssiggas (TRF 2021) und die DIN EN 12542 für die Bauart ortsfester Tanks. Diese Vorschriften regeln u.a. Mindestabstände zu Gebäuden, Erdüberdeckung unterirdischer Tanks und die Kennzeichnung. Eine wiederkehrende Prüfung durch einen nach TRF anerkannten Sachkundigen ist gesetzlich gefordert. Bei unterirdischen Tanks erfolgt dies in der Regel alle 10 Jahre, bei oberirdischen Tanks alle zwei Jahre. Die Installation sollte ausschließlich durch zugelassene Fachbetriebe erfolgen, die regelmäßig nach den Richtlinien des DVGW geschult werden. Bei Neubauten ist auch das Gebäudeenergiegesetz zu beachten, das einen bestimmten Anteil regenerativer Energien zum Wärmebedarf vorschreibt.
Reine Flüssiggasheizungen erfüllen diese Forderung in der Regel nicht allein, können aber durch Solarthermie, Wärmepumpen oder biobasierte Brennstoffe ergänzt werden. Was hier die geeignete Lösung ist, hängt vom Zustand des Gebäudes, vom Dämmstandard sowie vom zur Verfügung stehenden Geld ab.
Es ist auch wichtig, dass Planer und Architekten diese Vorschriften frühzeitig in ihre Entwurfsplanung integrieren. Zwar ist eine nachträgliche Anpassung der Heiztechnik machbar, sie verursacht jedoch oft höhere Kosten als eine Berücksichtigung in der Genehmigungsphase. Besonders bei Sanierungsprojekten kann es von Vorteil sein, einen Energieberater hinzuzuziehen, der die bestehende Bausubstanz und die möglichen Heizsysteme gemeinsam beurteilt.
Der Weg zu mehr Nachhaltigkeit im Tank
In Deutschland war die Herstellung von Flüssiggas für Heizungen bisher durch die DIN 51622 sowie europäische Normen wie die DIN EN 589 im Automobilbereich geregelt. Bio-Flüssiggas wird häufig als Nebenprodukt bei der Herstellung von hydriertem Pflanzenöl (HVO) aus Reststoffen, wie gebrauchten Speiseölen oder tierischen Fetten, gewonnen. Chemisch unterscheidet es sich nicht von herkömmlichem Flüssiggas, der einzige Unterschied liegt im Ursprung der Rohstoffe.
Zertifizierungssysteme wie die International Sustainability and Carbon Certification (ISCC) dokumentieren die Herkunft der Rohstoffe und gewährleisten, dass Nachhaltigkeitsstandards in der gesamten Lieferkette eingehalten werden. Für Bauherren und Sanierer bedeutet dies in der Praxis, dass sie gezielt bei ihrem Lieferanten nach zertifiziertem, biobasiertem Flüssiggas fragen können, ohne dass ein Austausch von Tank oder Brenner notwendig ist. Dadurch sinkt der Anteil fossiler Rohstoffe in der Wärmeerzeugung, während der gewohnte Betrieb der Anlage unverändert bleibt.
Bei Mischungen aus fossilem und biobasiertem Flüssiggas, auch bekannt als Blends, bleibt die Verbrennungscharakteristik weitgehend stabil. Heizkessel und Regelungstechnik müssen nicht angepasst werden, solange der Hersteller die Eignung für diese Brennstoffmischungen bestätigt.
