Durch schlecht gedämmte Fenster gehen in Bestandsgebäuden bis zu 25 Prozent der Heizwärme verloren. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) reagiert darauf mit klaren Anforderungen – doch wer glaubt, mit dem gesetzlichen Mindestwert sei alles getan, unterschätzt, wo Wärme im Bauteil tatsächlich entweicht.
Was das GEG 2024 bei der Fenstererneuerung fordert
Das GEG in seiner aktuellen Fassung schreibt für den Austausch von Fenstern in Bestandsgebäuden einen Wärmedurchgangskoeffizienten von Uw ≤ 1,3 W/(m²K) vor. Dieser Wert gilt, sobald ein Bauteil erneuert wird – nicht erst beim Neubau oder einer umfassenden energetischen Sanierung. Konkret greift die Pflicht, wenn die Erneuerungsmaßnahme mehr als zehn Prozent der entsprechenden Bauteilfläche betrifft.
Relevant ist dabei: Die Pflicht greift nicht bei der Instandsetzung einzelner Scheiben, sondern beim vollständigen Fensterelement. Wer also eine Verglasung tauscht, ohne den Rahmen zu berühren, fällt in der Regel nicht unter diese Regelung. Bei einem echten Fensterwechsel – Rahmen inklusive – ist der Grenzwert hingegen verbindlich.
Verstöße können im Zuge von Energieaudits oder bei Gebäudeverkäufen relevant werden, da der Energieausweis den Zustand der Gebäudehülle dokumentiert. Für Bauträger und Wohnungsunternehmen mit größeren Beständen ist das ein handfester Compliance-Punkt.
Uw, Ug, Uf – drei Werte, eine Entscheidung
Wer Fenster kaufen möchte und dabei nur auf den Uw-Wert schaut, sieht nur einen Teil des Bildes. Der Gesamtwert Uw setzt sich zusammen aus:
- Ug – Wärmedurchgang der Verglasung (Glas)
- Uf – Wärmedurchgang des Rahmenprofils
- Ψ (Psi) – linearer Wärmedurchgangskoeffizient des Randverbunds zwischen Glas und Rahmen
Das Problem: Hersteller kommunizieren bevorzugt den Ug-Wert – weil moderne Dreifachverglasungen hier beeindruckende 0,5 bis 0,7 W/(m²K) erreichen. Der Uf-Wert des Rahmens fällt dagegen deutlich höher aus, häufig zwischen 1,0 und 1,3 W/(m²K) je nach Profilsystem und Kammeranzahl. Und der Ψ-Wert am Glasrandverbund taucht in vielen Produktdatenblättern gar nicht auf.
Das führt zu einer verzerrten Wahrnehmung: Ein Fenster mit exzellentem Glas und schwachem Rahmen kann denselben Uw-Wert erreichen wie ein ausgewogenes System – verhält sich in der Praxis aber anders, weil der Rahmenanteil an der Gesamtfläche je nach Fenstergröße zwischen 20 und 35 Prozent liegt.
Hinzu kommt: Der berechnete Uw hängt von der Referenzgröße ab, die der Hersteller für die Berechnung zugrunde legt. Ein kleineres Fenster weist bei gleicher Konstruktion einen schlechteren Uw-Wert aus als ein großes – weil der Rahmenanteil relativ steigt. Wer also Produkte verschiedener Hersteller vergleicht, sollte prüfen, welches Referenzmaß der Kalkulation zugrunde liegt.
Materialvergleich: PVC, Aluminium, Holz-Alu in Zahlen
Alle drei Materialsysteme können die GEG-Anforderungen erfüllen – aber mit unterschiedlichem Aufwand.
Kunststoff (PVC): Uf-Werte zwischen 1,0 und 1,3 W/(m²K), abhängig von der Kammeranzahl des Profils. Ein 5-Kammer-Profil mit 70 mm Bautiefe kommt auf Uf = 1,3 W/(m²K), ein 6-Kammer-Profil mit 85 mm Bautiefe auf Uf = 1,0 W/(m²K). Kostengünstig, wartungsarm, weit verbreitet im Wohnungsbau.
Aluminium: Reines Aluminium leitet Wärme gut – für energetisch anspruchsvolle Anwendungen deshalb nur mit thermischer Trennung durch Polyamid-Stege sinnvoll. Einfache Systeme mit thermischer Trennung beginnen bei Uf-Werten um 1,3 W/(m²K). Hochgedämmte Super-Insulation-Systeme erreichen Uf-Werte unter 1,0 W/(m²K) – einzelne Passivhaus-zertifizierte Profile sogar bis 0,71 W/(m²K). Im Industrie- und Gewerbebau Standard wegen Stabilität und Gestaltungsfreiheit.
Holz-Alu: Kombination aus Holzkern (guter natürlicher Dämmwert) und Aluminiumschale außen. Je nach Hersteller und Ausstattung werden Uw-Werte zwischen 0,63 und 1,3 W/(m²K) erreicht – Einstiegsmodelle liegen im Bereich von 1,0 bis 1,2 W/(m²K), Passivhaus-geeignete Systeme kommen auf unter 0,8 W/(m²K). Hochwertiges Segment mit höherem Preis, aber langer Lebensdauer und geringem Wartungsaufwand.
Die unterschätzte Schwachstelle: der Bereich unter dem Fenster
Auch das beste Fenster verliert seine Wirkung, wenn die angrenzenden Bauteile nicht stimmen. Besonders kritisch ist die Zone zwischen Fensteranschluss und Fensterbänken – sowohl innen als auch außen.
Eine außen liegende Fensterbank aus Aluminium oder Naturstein ohne thermische Entkopplung leitet Kälte direkt in den Wandanschluss. Das Ergebnis ist ein linearer Wärmebrückenverlust, der sich im Ψ-Wert des Anschlusses niederschlägt – und in der Konsequenz: Tauwasserausfall, Schimmelrisiko an der Laibung, verminderter Wohnkomfort.
Beim Einbau wird dieser Bereich häufig vernachlässigt, weil er nach der Fenstermontage folgt und oft unterschiedlichen Gewerken zufällt. Empfehlenswert ist, Fenster, Fensterbank und Anschlussabdichtung als System zu planen – nicht als Einzelpositionen im Leistungsverzeichnis.
BAFA-Förderung: Warum Uw = 1,3 oft die falsche Zielgröße ist
Das GEG setzt die Pflichtgrenze bei Uw ≤ 1,3 W/(m²K) – die BAFA-Förderung beginnt aber erst bei Uw ≤ 0,95 W/(m²K). Das ist kein kleiner Unterschied: Wer ein Fenster mit Uw = 1,3 W/(m²K) einbaut, erfüllt die Vorschrift, schließt sich aber gleichzeitig von einem Zuschuss in Höhe von 15 Prozent der förderfähigen Investitionskosten aus – bei einem iSFP-Bonus sogar 20 Prozent, bei einer Kostenbasis von bis zu 30.000 Euro pro Wohneinheit.
In der Praxis bedeutet das: Ein Zweischeibenaufbau mit Uw um 1,3 W/(m²K) ist fördertechnisch wertlos. Förderfähig sind ausschließlich Dreifachverglasungen, die den BAFA-Grenzwert unterschreiten. Der Antrag muss dabei zwingend vor Vertragsabschluss gestellt werden – wer erst bestellt und dann einen Antrag einreicht, verliert den Anspruch vollständig.
Anbieter wie DEKEA.de erleichtern diesen Schritt: Für Modelle mit vollständigen technischen Angaben lässt sich bereits bei der Bestellung prüfen, ob ein Fenster den BAFA-Grenzwert erreicht – und alle Daten für den Förderantrag sind direkt verfügbar.
Was beim Fensterkauf in der Praxis oft schiefläuft
Der häufigste Fehler ist die Entscheidung allein nach dem Uw-Wert – ohne Uf, ohne Ψ, ohne Blick auf das Referenzmaß der Berechnung. Das ermöglicht es Anbietern, Fenster mit gutem Glas und schwachem Rahmen optisch besser darzustellen, als sie bauphysikalisch sind.
Zweiter typischer Fehler: Der Fokus liegt auf der Verglasung, der Einbau wird als Nebensache behandelt. Dabei bestimmt die Qualität der Montage – Anschlussfolie, Quellband, Dämmung in der Laibung – maßgeblich, ob die Dämmwerte des Fensterprodukts im eingebauten Zustand auch tatsächlich erreicht werden.
Dritter Fehler: Das GEG wird als Zielwert verstanden, nicht als Untergrenze. Wer bei Uw = 1,3 W/(m²K) aufhört zu rechnen, verschenkt langfristig Energiekosten und verzichtet auf staatliche Zuschüsse – besonders schmerzhaft in Gebäuden mit hohem Sanierungsbedarf.
Wie Sie teure Fehler beim Fenstertausch vermeiden
Das GEG 2024 setzt eine klare Untergrenze – aber eben nur eine Untergrenze. Wer Fenster systematisch auswählt, vergleicht Uw, Uf und Ψ gemeinsam, prüft das Referenzmaß der Berechnung und behandelt Fensterbank und Wandanschluss als Teil des energetischen Systems. Das Ergebnis ist ein Bauteil, das nicht nur die Vorschrift erfüllt, sondern langfristig Heizkosten spart und Schäden durch Wärmebrücken vermeidet.
Quellen:
- Gebäudeenergiegesetz (GEG), § 48, i. d. F. vom 1. Januar 2024
- DIN EN ISO 10077-1: Wärmetechnisches Verhalten von Fenstern, Türen und Abschlüssen
- Aluplast: Produktdaten IDEAL 4000 und IDEAL 8000 (abgerufen Juni 2025)
- Schüco: Produktdaten AWS 75.SI+ und AWS 90.SI+ (abgerufen Juni 2025)
- Internorm: Produktübersicht Holz-Alu-Fenster, U-Wert-Angaben (abgerufen Juni 2025)
