Tauben gehören zu den anpassungsfähigsten Vögeln in unseren Städten und Gärten. Ihre Brutzeit unterscheidet sich deutlich von anderen Vögeln, weil sie deutlich länger ist und mehrfach pro Jahr stattfinden kann. Wer in der eigenen Dachluke, am Balkon oder in der Hecke ein Taubenpaar entdeckt, sollte den Brut-Zyklus kennen, um zu wissen, wann mit Nachwuchs zu rechnen ist und welche rechtlichen Aspekte zu beachten sind.
- Brutzeit der Tauben praktisch das ganze Jahr von Februar bis Oktober
- 2 bis 6 Bruten pro Jahr je nach Art und Bedingungen
- Nestphase mit Eiern dauert etwa 17 bis 19 Tage
- Jungtaube bleibt nach Schlupf weitere 25 bis 30 Tage im Nest
- Nest darf während der Brutzeit nicht entfernt werden
Wann brüten Tauben?
Anders als die meisten Vögel haben Tauben keine streng begrenzte Saison. Bei milden Bedingungen brüten sie fast das ganze Jahr über, mit Schwerpunkt zwischen März und September.
Typische Brutzeiten:
- Stadttauben: Februar bis November, in milden Jahren auch im Winter
- Ringeltauben: März bis September
- Türkentauben: Februar bis Oktober
- Hohltauben: März bis September
Stadttauben sind besonders flexibel, weil sie in beheizten Gebäuden brüten können und Nahrungsangebot rund ums Jahr finden.
Wie viele Bruten pro Jahr?
Tauben gehören zu den Vögeln mit den meisten Bruten pro Saison. Ein Paar kann theoretisch mehr als 6 Bruten in einem Jahr haben, in der Praxis sind es meist 3 bis 5 erfolgreiche Bruten.
Faktoren, die die Anzahl der Bruten beeinflussen:
- Nahrungsangebot
- Wettersituation
- Störungen am Brutplatz
- Erfolg der vorherigen Bruten
Bei guten Bedingungen können Tauben sofort nach dem Ausflug der Jungen mit der nächsten Brut beginnen, oft sogar überlappend.
Der Brut-Zyklus im Detail
Phase 1: Balz und Paarung
Vor der Brut zeigt das Männchen aufwendige Balzrituale: Gurren, Brustblähen, Verfolgung des Weibchens. Die Paarung findet meist morgens auf erhöhten Plätzen statt.
Phase 2: Nestbau
Tauben bauen einfache Nester aus Zweigen, Halmen und kleinen Zweigen. Der Nestbau dauert 4 bis 7 Tage. Das Männchen bringt Material, das Weibchen formt das Nest.
Typische Nistplätze:
- Dachvorsprünge und Dachbalken
- Mauervorsprünge an Gebäuden
- Balkone und Fensterbänke
- Dichte Hecken und Bäume
- Verlassene Gebäudestrukturen
Phase 3: Eiablage und Brut
Das Weibchen legt meist 2 Eier im Abstand von einem Tag. Danach wechseln sich beide Eltern beim Brüten ab. Die Bebrütung dauert 17 bis 19 Tage. In dieser Zeit darf das Nest nicht gestört werden.
Phase 4: Schlupf und Aufzucht
Die Jungtauben schlüpfen blind und nackt. Sie werden von beiden Eltern mit „Kropfmilch“ gefüttert, einer nahrhaften Substanz aus dem Kropf der Eltern. Nach etwa 8 Tagen öffnen sie die Augen.
Phase 5: Nestlingszeit
Die Jungen bleiben 25 bis 30 Tage im Nest. In dieser Zeit wachsen sie schnell und entwickeln Federn. Ab Tag 20 fangen sie an, das Nest kurz zu verlassen.
Phase 6: Ausflug und Nachbrut
Mit etwa 30 Tagen verlassen die Jungtauben das Nest endgültig. Oft beginnen die Eltern noch vor dem Ausflug mit der nächsten Brut, sodass die alten Jungen während der neuen Brut weiter im Umfeld sind.

Rechtliche Aspekte
Tauben stehen wie alle wilden Vögel unter dem allgemeinen Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes. Während der Brutzeit gelten zusätzliche Schutzvorschriften.
Wichtige Punkte:
- Aktive Nester mit Eiern oder Jungen dürfen nicht entfernt werden
- Auch Nestbau-Aktivität ist meist geschützt
- Vergrämungsmaßnahmen sollten vor Beginn der Brutzeit durchgeführt werden
- Bei Stadttaubenproblemen sind die Kommunen oft zuständig
Wer eine Taube bei sich nisten hat, sollte abwarten, bis die Brut ausgeflogen ist, und dann Vergrämungsmaßnahmen treffen, damit das Nest nicht wieder bezogen wird.
Vorbeugung am eigenen Haus
Wenn du verhindern willst, dass Tauben dauerhaft an deinem Haus brüten, hilft Vorbeugung außerhalb der Brutzeit.
- Spikes auf Vorsprüngen: Spitzen aus Edelstahl auf Mauervorsprüngen, Balkonbrüstungen und Fensterbänken
- Nylonseile: Locker gespannt entlang der Brutkante, hindern die Tauben am Aufsetzen
- Abdeckungen: Lüftungsöffnungen und Dachlücken mit Edelstahlnetz oder Drahtgitter sichern
- Klare Reflexionsflächen: Glänzende CD-Hänger oder Reflexstreifen erschrecken die Vögel
- Fütterung einstellen: Wer Tauben füttert, lockt sie zum Nisten an. Besser keine Reste auf Balkon oder Garten
Bei massivem Befall kann ein Schädlingsbekämpfer helfen, der professionelle Vergrämung anbietet. Die Kosten liegen bei 200 bis 800 Euro je nach Aufwand.
Wenn Tauben am Haus brüten
Falls du in der Brutzeit ein aktives Nest entdeckst, solltest du folgende Schritte einhalten:
- Nicht einfach entfernen, weil das gegen das Naturschutzgesetz verstößt
- Bei Belästigung wie Lärm oder Verschmutzung Geduld haben – nach 6 Wochen ist die Brut meist durch
- Direkt nach dem Auszug das Nest entfernen und Stelle vergrämen
- Bei wiederkehrendem Befall im Winter (zwischen den Bruten) bauliche Maßnahmen treffen
Wer eine Taube früh in der Saison entdeckt und sie davon abhalten will, ein Nest zu bauen, kann mit lautem Klatschen oder Wasserspritzen versuchen, den Standort unattraktiv zu machen. Sobald Eier liegen, ist es zu spät.
Krankheitsrisiken bei Tauben
Tauben können Krankheiten übertragen, die für Menschen relevant sind. Bei Kontakt mit Taubenkot oder verlassenen Nestern Atemschutz tragen, weil getrockneter Kot eingeatmet werden kann.
Mögliche Krankheiten:
- Ornithose – grippeähnliche Erkrankung
- Salmonellose – Magen-Darm-Infektion
- Taubenzecken – können auf Menschen übergehen
- Pilzerkrankungen wie Cryptococcose
Bei der Beseitigung von Nestern oder Kot immer Handschuhe und FFP2-Maske tragen. Material in versiegelten Müllbeuteln entsorgen, nicht im Kompost.
Fazit
Die Brutzeit der Tauben ist deutlich länger als bei den meisten Vögeln und kann fast das ganze Jahr umfassen. Pro Jahr sind 3 bis 5 erfolgreiche Bruten typisch, theoretisch sogar mehr. Eier werden 17 bis 19 Tage bebrütet, Jungtauben bleiben weitere 25 bis 30 Tage im Nest. Während der aktiven Brut sind Nester durch das Naturschutzgesetz geschützt. Wer Tauben am Haus vermeiden will, sollte vor der Brutzeit mit Spikes, Netzen oder Reflektoren vorbeugen. Bei aktiven Nestern hilft nur abwarten und nach dem Ausflug konsequent vergrämen.
Häufige Fragen
Wann ist Brutpause bei Tauben?
Echte Pause haben Tauben kaum. Im Winter zwischen November und Januar finden meist keine Bruten statt, in milden Jahren oder beheizten Gebäuden aber durchaus weiterhin.
Wie viele Eier legen Tauben pro Brut?
Meist genau 2 Eier, selten 1 oder 3. Diese werden im Abstand von einem Tag gelegt und gemeinsam von beiden Eltern bebrütet.
Darf ich ein Taubennest einfach entfernen?
Während der aktiven Brut nicht. Erst wenn keine Eier oder Jungen mehr vorhanden sind, ist die Beseitigung erlaubt. Bei Verstoß drohen Bußgelder.
Wie lange leben Tauben?
In der Stadt durchschnittlich 3 bis 5 Jahre, weil Krankheiten und Verkehr die Lebensdauer verkürzen. In besseren Bedingungen können Tauben bis zu 15 Jahre alt werden.
Brüten Tauben mehrmals im selben Nest?
Ja, das ist sogar üblich. Tauben bevorzugen bewährte Nistplätze und nutzen das gleiche Nest für mehrere Bruten in einer Saison oder über mehrere Jahre.
