Altbauten können mehr als Neubauten: historische Grundrisse, massive Wände, hohe Räume. Doch wer einen Gründerzeitbau oder eine Nachkriegswohnung modernisieren will, hat beim Thema Boden einige technische Hürden zu überwinden, die im Neubau keine Rolle spielen. Alte Holzbalkendecken mit Durchbiegung, unebene Estriche, fehlende Dampfsperren, unbekannte Feuchtigkeitswerte im Untergrund – für jeden dieser Fälle gibt es passende Lösungen, wenn Anforderungen konkret sind und Planung strukturiert.
Untergrundprüfung: Was vor der Materialwahl gemessen werden muss
Bevor ein Bodenbelag gewählt wird, steht erst einmal die Analyse des Untergrundes. Bei Altbauten tritt man dabei meist auf zwei Situationen: Holzbalkendecken und älteres Estrichmaterial aus Zement oder Anhydrit.
Holzbalkendecken mit Durchbiegung unter Last können bei starren Belägen wie Steinzeugfliesen oder großformatiger Keramik zu Rissen und abgeplatzten Fugen führen. Wer Bodenbeläge im Rahmen einer Renovierung auf solchen Untergründen plant, sollte diese Materialkombinationen grundsätzlich vermeiden oder den Untergrund vorher ertüchtigen lassen.
Was die Ebenheit des Untergrundes betrifft, gelten je nach Belagstyp verschiedene Toleranzwerte gemäß DIN 18202: Nach DIN 18202 (Tabelle 3) sind auf eine Messlänge von 1 m maximal 4 mm Abweichung zulässig, bei erhöhten Anforderungen an die Ebenheit 3 mm – unabhängig davon, ob der Belag schwimmend verlegt oder verklebt wird.
Nicht weniger wichtig ist die Feuchtigkeitsmessung. Wer darunter schlampt, braucht sich nicht zu wundern, wenn das Material aufquillt, Klebeverbindungen sich lösen oder sich unter dem Belag Schimmel bildet.
Parkett, Laminat, Vinyl und Fliesen: Ein Materialvergleich für den Altbau
Wenn es um langlebige, hochwertige Böden geht, ist Parkett bei der Altbausanierung erste Wahl. Mehrschichtparkett ist dem Massivholzparkett hier sogar überlegen. Bei Fußbodenheizung ist es dimensionsstabiler und weniger empfindlich gegenüber Temperaturschwankungen. Der Wärmedurchlasswiderstand Rλ des Belages sollte bei kombinierten Flächenheizungssystemen 0,15 m²K/W nicht überschreiten, da in diesem Falle die Heizleistung zu stark absinkt. Laminat ist zwar günstig, hat aber auch eine begrenzte Lebensdauer. Orientierung geben hier die Nutzungsklassen nach dem AC-System (AC1 bis AC6). Für Wohnräume mit üblicher Beanspruchung genügt AC3, für stärker belastete Zonen mit Publikumsverkehr eher AC4 oder besser. Eine Aufarbeitung wie bei Parkett, d.h. Abschleifen und Wiederversiegeln des Bodens, ist bei Laminat nicht möglich.
Vinyl und LVT (Luxury Vinyl Tiles) sind auch bei unebenem Untergrund oder in Nassräumen gut einsetzbar. Die Nutzschicht beträgt hier je nach Produkt 0,3 bis 0,55 mm. Im Handel sind qualitätsgeprüfte Erzeugnisse zu finden, die nach EN 16511 zertifiziert sind und damit bestimmte Anforderungen an Dimensionsstabilität und Verschleißfestigkeit erfüllen. Ein praktischer Vorteil für Altbauten mit geringen Aufbauhöhen.
Fliesen sind im Altbau prinzipiell möglich, der Untergrund muss aber stabil sein. Holzbalkendecken sind ohne vorherige Ertüchtigung dafür ungeeignet. In vielen Fällen müssen entkoppelnde Matten oder neue Estrichschichten gelegt werden. Die Rutschhemmung wird nach DIN 51130 in R-Werten zu R9 bis R13 eingeteilt. Bei der Planung der Nassräume ist dieser Wert ein wesentliches Auswahlkriterium.
Trittschall und Wärmedämmung: Normen und Anforderungen im Überblick
Im Altbau ist der Trittschallschutz oft nicht ausreichend. Die DIN 4109 regelt den baulichen Schallschutz in Deutschland. Nach der aktuellen DIN 4109-1 darf der bewertete Norm-Trittschallpegel von Wohnungstrenndecken 50 dB nicht überschreiten. Diese Werte sind bei alten Holzbalkendecken ohne gezielte Dämmmaßnahmen kaum erreichbar.
Eine geeignete Trittschalldämmung unter dem Bodenbelag kann den Schallpegel je nach System um 15 bis 28 dB reduzieren. Der entscheidende Kennwert ist dabei der dynamische Steifigkeitswert der Dämmschicht, angegeben in MN/m³. Je kleiner dieser Wert ist, desto besser ist die Trittschalldämmung. Eine nachträgliche Ertüchtigung der Rohdecke selbst ist bei Altbauten in den meisten Fällen nicht wirtschaftlich. Die Dämmschicht unter dem Belag bleibt daher oft die einzige praktikable Lösung.
